Historisches Seminar
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Audienzen am spanischen Königshof 1500-1700.

Dissertationsprojekt von Benjamin Schulz

Betreuer: Prof. Dr. Arndt Brendecke

 

In meiner Doktorarbeit untersuche ich die kommunikativen Muster und Besonderheiten, die zwischen den spanischen Königen, ihren Untertanen und europäischen Gesandten auftreten. Ziel dieser Forschungsarbeit wird es sein, einen fundierten Einblick zu gewährleisten, welche (politischen) Möglichkeiten eine direkte Kommunikation und ein persönlicher Zugang zum spanischen Monarchen in der Frühen Neuzeit mit sich bringt. Dass dabei zwangsläufig erhellende Schlaglichter auf die Könige selbst und das Wesen ihrer vielschichtigen Interdependenzen geworfen werden, stellt eine willkommene Begleiterscheinung dar, die die biographischen Erkenntnisse über Karl V. Philipp II., Philipp III., Philipp IV. und Karl II. erweitern wird.

Der Quellenfundus speist sich aus zwei fundamentalen Strömen: Die Reiseberichte europäischer Adeliger und die Korrespondenzen, Memoiren und Tagebücher europäischer Gesandter werden den Löwenanteil dieses Promotionsvorhabens ausmachen. Diese Schriften berichten über Gespräche mit entscheidenden Akteuren am spanischen Königshof: also Unterhaltungen, Verhandlungen und natürlich ihre jeweiligen Resultate. Teilweise spiegeln diese Dokumente wahrheitsgetreu den Moment des Geschehens, teilweise wirken sie einfach zu phantastisch, um wahr zu sein.

Darauf wird zu achten sein, wenn die entscheidenden Aspekte, kommunikativen Besonderheiten und Strategien zu Tage gefördert werden. Meine bisherigen Recherchen zeigen ganz deutlich, dass bei Auseinandersetzungen von beiden Seiten argumentative Umwege, Ausreden und rhetorische Tricks bemüht werden, um die Deutungshoheit über den Diskurs zu erringen. Die Bandbreite aller beteiligten Akteure (zumeist an beiden Höfen) – seien es Diplomaten, Sekretäre, Räte, Minister, Granden, Günstlinge, Ehefrauen oder die Königinmutter – einschließlich der oft undurchsichtigen Netzwerke der Hofparteien und ihre jeweilig zu untersuchenden Einflussnahme auf Gespräche und Verhandlungen mit dem König schaffen eine dichte Komplexität wechselseitiger Interdependenzen. Doch genau die Durchdringung dieser komplexen zwischenmenschlichen Beziehungen und die Zergliederung in ihre einzelnen Bestandteile stellt den wissenschaftlichen Mehrwert dar, den ich mir durch meine Arbeit verspreche zu schaffen.

Ziel meiner Promotion wird es sein, genau jene kommunikativen Muster herauszuschälen, die den Erfolg, das Scheitern, bzw. den Weg hin zu einer Lösungsfindung umfassend beleuchten. Diplomatie heißt Sprechen. Ihr (Miss-)Erfolg führt zwangsweise über das Ohr des Herrschers. Deshalb möchte ich die Drahtseilakte aufzeigen, die die Gesandten vollführen müssen, um das Ohr des spanischen Königs überhaupt zu erreichen. Diese Analyse soll neue Schlaglichter werfen auf bislang nebulöse Handbuchdarstellungen königlicher Audienzen, die einer differenzierten Betrachtung nicht standhalten werden.