Historisches Seminar
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Jiskor. Erinnerungsbücher und Gefallenengedenken im Zionismus, 1911-1948.

Dissertationsprojekt von Helen Przibilla

Betreuer: Prof. Dr. Michael Brenner

 

Seit der Gründung von landwirtschaftlichen Siedlungen in Palästina durch jüdische Pioniere, besonders aber ab dem Beginn der Zweiten Einwanderungswelle nach Palästina 1904, kam es zu gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen den Bewohnern dieser Siedlungen und der arabischen Bevölkerung, in deren Verlauf eine Anzahl von jüdischen Siedlern starben. Um einigen dieser Toten einen literarischen Gedenkstein zu setzen, regte der Journalist Jehoschua Radler-Feldman ein Gedenkbuch an: das Jiskorbuch von 1911.

Die politisch äußerst angespannte Situation im Palästina der 40er Jahre, die von den Ereignissen des Zweiten Weltkrieges und den zwischen der Mandatsmacht Großbritannien und den zwei größten Bevölkerungsgruppen, Araber und Juden, ausgetragenen Auseinandersetzungen geprägt war, bildete den Hintergrund für die Entstehung weiterer Gedenkbücher. Die in dieser Zeit agierenden militärischen Untergrundorganisationen Etzel und Lehi verübten Anschläge auf britische und arabische Einrichtungen, die einige Todesopfer forderten und der Mandatsmacht empfindlichen Schaden zufügten. In Prozessen wurden zwölf der an den Aktionen beteiligten Untergrundkämpfer zum Tod durch den Strang verurteilt. Sie sind im Gedächtnis der beiden Untergrundorganisationen und der rechten zionistischen Bewegung als olei ha-gardom eingeschrieben. Auch zu ihrem Andenken entstand eine Vielzahl von Erinnerungsbüchern.

Das Dissertationsprojekt untersucht inwiefern die Gedenkbücher die unterschiedlichen politischen Richtungen im Zionismus der Jischuwzeit repräsentieren und welche Rolle sie in der politischen Propaganda der verschiedenen zionistischen Parteien spielten. Wieviel Religion steckt noch in den zionistischen Erinnerungsbüchern, deren Konzept ja der jüdisch-religiösen Jiskor- und Memortradition entlehnt ist? Wie und wo lassen sich diese Bücher über die Gefallenen und Getöteten des Zionismus im Spannungsfeld von Religion, Nationalismus, Säkularisierung und Resakralisierung verorten? Welchen Einfluß hatten die Jiskorbücher auf das Entstehen einer offiziellen Gedenkkultur nach der Gründung des Staates Israel 1948 und innerhalb der israelischen Streitkräfte?