Historisches Seminar
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Eine Theaterlandschaft für Belgrad (1841 – 1914). Kulturtransfer zwischen osmanischen, serbischen und europäischen Theaterpraktiken

Dissertationsprojekt von Marija Djokic

Betreuerin: Prof. Dr. Marie-Janine Calic

 

Mein Dissertationsprojekt beschäftigt sich mit der Theatergeschichte Belgrads in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Dabei steht das Theater neben der Zeitung als bedeutendstes Medium im 19. Jahrhundert im Zentrum meines Projekts und dient gleichsam als Sonde für die Untersuchung kultureller Transfers. In fast jeder Geschichte Belgrads im 19. Jahrhundert wird die außergewöhnliche Lage an der Grenze zweier Imperien, nämlich der Habsburger Monarchie und dem Osmanischen Reich, unterstrichen. Zudem war Belgrad bestimmten politischen und kulturellen Einflüssen von „Mütterchen Russland“ und Frankreich ausgesetzt. Es stellt sich daher die Frage, ob und inwiefern diese Lage der serbischen Hauptstadt das kulturelle Leben ihrer Bewohner beeinflusste und ob es diesen möglich war, ein Leben am Schnittpunkt verschiedener Zivilisationen bewusst wahrzunehmen oder gar zu genießen.

Das Projekt beschäftigt sich vor allem mit verschiedenen Kulturtransfers in Belgrad in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Ziel ist es zu untersuchen, welche Theaterangebote in Belgrad existierten, wie diese organisiert wurden, welche kulturelle Größen beziehungsweise Staaten dabei als Vorbilder ausgewählt wurden. Verschiedene Formen von Theaterinstitutionen sollen untersucht werden: vom osmanischen Karagöz über das Nationaltheater bis hin zu privaten Boulevardbühnen, die denen europäischer Hauptstädte ähnelten. In meinem Dissertationsvorhaben steht die Theatergeschichte einer Stadt im Vordergrund, die aber in einem größeren kulturellen Raum betrachtet werden muss. Ein besonderes Augenmerk gilt dabei den Theaterakteuren wie Direktoren, Schauspielern und Autoren, die zum großen Teil transnational agierten, was die Untersuchung von Kulturtransfers in besonderem Maße ermöglicht.