Historisches Seminar
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Hungerstreik – Globalgeschichte einer modernen politischen Praxis

Dissertationsprojekt von Maximilian Buschmann

Betreuer: Prof. Dr. Martin Geyer

 

Seit Ende des 19. Jahrhunderts bis in die jüngste Gegenwart wurden Hungerstreiks als radikale und öffentlichkeitswirksame Protestform von Individuen und Kollektiven in politischen Konflikten genutzt. Die Dissertation beschäftigt sich mit spezifisch politischem Hungern und grenzt die Praxis des Hungerstreikens ab von anderen Praktiken des Hungerns, wie beispielsweise der Anorexie oder des Hungerns als Kunstform. Sie untersucht das Hungerstreiken im Kontext von Machttechniken und –formationen, die das Leben selbst zu kontrollieren und regulieren suchen, und versteht Hungerstreiks folglich als spezifisch „moderne“ Protestform. Da sich seit Ende des 19. Jahrhunderts die Sicherung der Ernährung und des Lebens der Bevölkerung zusehends in den Verantwortungsbereich der Gesellschaft, mithin des Staates, verlagerte, konnte die Verweigerung der Nahrungsaufnahme Dissens artikulieren. Eine Geschichte des Hungerstreiks könnte somit als Brennglas für die Geschichte der sich wandelnden Normen in Bezug auf den Umgang mit gefährdetem (Über-)Leben des Körpers fungieren.

In globalgeschichtlicher Perspektive werden in der Arbeit ausgewählte Hungerstreiks in ihren spezifischen historischen Kontexten beschrieben und ihr Widerstandspotential erörtert. Leitend ist dabei unter anderem die Frage, wie politische Subjektivität in den jeweiligen Kräftefeldern produziert wurde und inwieweit sich Hungerstreiken als eine „Technologie des Selbst“ verstehen lässt.