Historisches Seminar
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Wilhelm Waßmuß, „der Mann der gleich nach Gott kommt“ (Arbeitstitel)

Dissertationsprojekt von Stefan M. Kreutzer

Betreuer: Prof. Dr. Martin Geyer

 

Der deutsche Diplomat Wilhelm Waßmuß (1880-1931) war eine exponierte Figur der deutschen Insurrektionsbemühungen im Mittleren Orient während des Ersten Weltkrieges, dem Versuch des wilhelminischen Kaiserreiches, die dort lebende Bevölkerung gegen die Kriegsgegner England, Frankreich und Russland aufzuwiegeln und durch Aufstände in ihren kolonialen Herrschaftsräumen in ihren Kriegsanstrengungen zu behindern. Waßmuß erwies sich dabei als ausgesprochen erfolgreich. Autodidaktisch wurde er zu „espionage`s first covert action agent“ und organisierte in Südpersien den Widerstand der tribalen Bevölkerung der Tangistani und der Qashqa’i gegen die britische Besatzung. Die Engländer sahen sich gezwungen, erhebliche Truppenkontingente an den persischen Golf zu verlegen. Diese fehlten ihnen in Mesopotamien und so hatte Waßmuß indirekt erheblichen Anteil an der Kapitulation des britischen Expeditionskorps bei Kut, einer der größten militärischen Niederlagen in der englischen Geschichte. In Anerkennung seines Erfolges im Kampf gegen sie bezeichneten die Briten Waßmuß als „The German Lawrence“; die Gemeinsamkeiten mit dem ähnlich tätigen „Lawrence of Arabia“ waren für sie auffallend. In Persien, respektive Iran, gilt Waßmuß bis heute als wichtiger Bezugspunkt zu Deutschland, zeitweilig wurde er „ der Mann, der gleich nach Gott kommt“ genannt; wohl auch wegen der altruistischen Züge, die er demonstrierte, als er in den 1920er Jahren in Tschagodek als Entwicklungshelfer tätig wurde. In seiner deutschen Heimat blieb Waßmuß der große Ruhm dagegen verwehrt.

Diplomat, Geheimagent, „Engländerschreck“, Mudschahed, Entwicklungspionier: Seine  Multidimensionalität und die Bewunderung, die er von Gegnern und Alliierten erfuhr, verlangen geradezu nach einer zeitgemäßen, wissenschaftlichen Untersuchung seiner Person. Ziel der Dissertation ist eine Biographie von Wilhelm Waßmuß nach heutigen Maßstäben und unter Zuhilfenahme bisher ungenutzter deutscher, englischer und iranischer Quellen. Gleichzeitig soll der Blick auf Waßmuß einen Beitrag zur Erforschung der deutschen Orientpolitik und der deutsch-iranischen Beziehungen zu Beginn des 20. Jahrhunderts leisten.