Historisches Seminar
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De militum Christi morte - Der Kreuzfahrertod in der zeitgenössischen Wahrnehmung

Dissertationsprojekt von Lukas Strehle

Betreuer: Prof. Dr. Knut Görich

 

So alltäglich und allgegenwärtig die Gefahr des Todes für den mittelalterlichen Menschen war, so scheinen die heute als Kreuzzüge bezeichneten militärischen Unternehmungen hinsichtlich ihrer Opferzahlen und ihrer vermeintlichen oder tatsächlichen Grausamkeit doch singulär. Aber entspricht dieses aus der Rückschau gewonnene Bild auch der zeitgenössischen Wahrnehmung? Das Dissertationsvorhabens sucht eine Antwort auf die Frage, ob das Mittelalter, wie es die bisherige Kreuzzugsforschung nahelegt, im Tod der „milites Christi“ einen Sonderfall mittelalterlichen Sterbens sah. Bestand für die Kreuzfahrer ein Unterschied zwischen dem „ gewöhnlichen“, alltäglichen Sterben und dem Tod auf dem Kreuzzug oder folgte die Interpretation des Sterbens auf dem Kreuzzug den gleichen Deutungsmustern, die für jeden mittelalterlichen Todesfall galten?

Um die zeitgenössischen Erklärungen und Erzählungen zu verstehen, müssen die zugrunde liegenden Denkmuster und Vorstellungswelten rekonstruiert werden. Das Verständnis der mittelalterlichen Wahrnehmung ersetzt gewissermaßen als Erkenntnisziel die Ranke’sche Frage danach, „wie es eigentlich gewesen sei“. Es geht also weniger um die historische Wirklichkeit selbst, als vielmehr um die Frage, wie die Wirklichkeit erfahren und gedeutet wurde.

Besondere Aufmerksamkeit verdienen Nachrichten über Vorsorgemaßnahmen, Ablauf, Bewertung und Deutung der Todesfälle auf den Kreuzzügen, die den Zeitgenossen entweder als Besonderheit, mithin als „Sonderfall“ des mittelalterlichen Sterbens, berichtenswert erschienen, oder die als zeitgebundene Selbstverständlichkeiten den heute decodierungsbedürftigen Hintergrund der historiographischen Zeugnisse über das Sterben der „milites Christi“ bildeten.