Historisches Seminar
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Die Handhabung des Prisenrechts in den Kriegen des 17. und 18. Jahrhunderts. Wirklichkeit und Reaktionen.

Dissertationsprojekt von Bernd Lehmannn

Betreuer: Prof. Dr. Mark Hengerer

 

Das 17. und 18. Jahrhundert waren politisch und militärisch gekennzeichnet durch umfangreiche maritime Auseinandersetzungen zwischen Frankreich und England im Rahmen der Kriege dies- und jenseits des Atlantiks sowie in der Region des Indischen Ozeans. Die Kampfhandlungen auf See umfassten im vermehrten Umfang Maßnahmen gegen gegnerische sowie neutrale Kauffahrteischiffe zur Unterbindung bzw. Lahmlegung des feindlichen Handels über See. Zur Unterstützung dieses Handelskrieges belehnten die Regierungen Kapitäne von zivilen Schiffen mit hoheitlichen Aufgaben und autorisierten diese - durch gesonderte Ausstellung von Kaperbriefen - ebenso wie die Kommandanten ihrer Kriegsschiffe, gleichfalls feindliche Handelsschiffe kapern. Dieses Mandat zur Prisennahme galt insbesondere auch gegenüber neutralen Kauffahrteischiffen, sofern sie für den Feind bestimmte kriegswichtige Handelsgüter geladen hatten.


Dieses Recht der Prisennahme, auch als Seebeuterecht bezeichnet, damaligen seerechtlichen Gewohnheitsnormen, obgleich mit teilweise unterschiedlicher nationaler Ausprägung und Auslegung. Die Exekutiven der Seemächte erließen Prisenordnungen als Kodifikation ihres jeweiligen nationalen Verständnisses über Art und Umfang des Prisenrechts. Diese Prisenordnungen stellten den Handelskrieg auf eine formalrechtliche Grundlage und galten als verbindlich für den Zeitraum eines Krieges.


Der Fokus der Dissertation liegt gleichermaßen auf den Kriegsführenden sowie den nicht am Krieg Beteiligten, den neutralen Staaten, deren Kaufleute Seehandel betreiben. Das Vorhaben befasst sich mit der Handhabung des Prisenrechts sowie mit den Ansprüchen der neutralen Staaten für ihren Seehandel im Kontext von maritimen Auseinandersetzungen. Damit stehen zwei Rechtsinstitutionen, das Prisenrecht und das Neutralitätsrecht, in einer gegensätzlichen, aber auch wechselseitigen Abhängigkeit.


Zunächst wird die Evolution der jeweiligen nationalen Gesetzgebungen vergleichend betrachtet, um Konvergenzen und Divergenzen aufzuzeigen. Darüber hinaus wird der Einfluss des Prisenrechts auf die eigene Seekriegsführung zur Unterbindung des feindlichen Seehandels sowie auf das politische Geschehen der damaligen Zeit untersucht. Der zweite Teil der Arbeit ist der Untersuchung der Ansprüche der neutralen Staaten bei der Durchführung ihres Seehandels in europäischen und überseeischen Gewässern vorbehalten. Im Mittelpunkt stehen dabei die von den Neutralen ergriffenen Initiativen zum Schutz ihrer eigenen Interessen