Historisches Seminar
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Die Entwicklung des Realgymnasiums in München: 1864-1938.

Dissertationsprojekt von Regina Ginster

Betreuer: Prof. Dr. Ferdinand Kramer

 

Im Jahr 1864 wurde auf königlichen Erlass in Bayern eine neue Schulform ins Leben gerufen, um dem sich verändernden Bildungsbedürfnis der modernen Welt zu begegnen: das Realgymnasium. Im vorliegenden Dissertationsprojekt geht es um die Entwicklung und allmähliche Etablierung dieser Schulform in der Gesellschaft. Zu diesem Zweck wird eine Detailstudie des Neuen Realgymnasiums in München gezeichnet. Über klassische Bildungs- und Institutionengeschichte hinausgehend, soll hier am konkreten Beispiel Schulgeschichte als Teil der Geschichte einer Gesellschaft verstanden werden. Die Dissertation möchte darstellen, wie gesellschaftliche Diskurse innerhalb der Schulwirklichkeit des Neuen Realgymnasiums in München erlebt wurden und liefert damit einen Beitrag zur Regional- bzw. Stadt- als auch zur Mentalitätsgeschichte. In diesem Sinne wird die Untersuchung von folgenden Fragestellungen geleitet: Welche Denkweisen erwuchsen im Neuen Realgymnasium, welche prägten, überdauerten und gefährdeten es? Woran orientierten sich Lehrer, Schüler und Eltern in politischen und gesellschaftlichen Umbruchzeiten? Gab es eine Schulkultur, die eigener Dynamik, eigener Ordnung gehorchte? Welche Rolle spielte die Schule im gesellschaftlichen Diskurs - Katalysator, Nährboden, Schutzraum? Welche Spielräume nutzten Lehrer und vor allem Direktoren in pädagogischer, aber auch in politischer Hinsicht? Welches Selbstverständnis charakterisierte das Neue Realgymnasium?


Um diesem Vorhaben gerecht zu werden, wird ein Längsschnitt erarbeitet, der die Entwicklung des Neuen Realgymnasiums von seiner Gründung im Jahr 1864 bis zu seiner Neuordnung im Rahmen der NS-Schulreform 1938 dokumentiert. Im Mittelpunkt der Untersuchung steht dabei die Auswertung von Schüler- und Lehrerpersonalakten des Neuen Realgymnasiums München, die einen reichhaltigen, kaleidoskopartigen Einblick in den Schulalltag der 1920er und 30er Jahre verschaffen. Der spezifische Quellenfund bietet die Möglichkeit, Vernetzungen und Kommunikationsmuster auf verschiedenen Ebenen aufzuzeigen und auszuwerten.