Historisches Seminar
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Außenhandel und Außenwirtschaftspolitik in Bayern 1957-1982

Dissertationsprojekt von Rudi Himpsl

Betreuer: Prof. Dr. Ferdinand Kramer

 

Dieses Promotionsprojekt fragt nach der Bedeutung des Außenhandels für den sozio-ökonomischen Aufholprozess Bayerns in der Nachkriegszeit und analysiert die Möglichkeiten eines Landes in der Bundesrepublik, eine eigenständige Außenwirtschaftspolitik zu betreiben. Dabei waren die Voraussetzungen für die Exportwirtschaft im Freistaat nicht gerade positiv: Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs fand sich das Land in einer markt- und revierfernen Randlage am Eisernen Vorhang wieder, abgeschnitten von seinen traditionellen Absatzmärkten in Ost- und Südosteuropa. Zudem betrachtete man die Gründung der EWG und den Aufbau des Gemeinsamen Marktes mit Skepsis. Wie weite Teile der bundesdeutschen Wirtschaft forderte die Staatsregierung, der Gemeinsame Markt der Sechs müsse um eine Freihandelszone, die sämtliche OEEC-Staaten umfasst, ergänzt werden. Schließlich ging 1957, am Vorabend der EWG-Gründung, lediglich ein Viertel des bayerischen Exports in die Staaten der Montanunion.
Die Arbeit orientiert sich methodisch an den Überlegungen einer erweiterten Institutionengeschichte: Im Mittelpunkt stehen die Initiativen des Außenwirtschaftsreferats im Bayerischen Staatsministerium für Wirtschaft und Verkehr; als komplementäre Akteure müssen jedoch auch die bayerische Staatskanzlei als der für die Beziehungen zu ausländischen Staaten bzw. Teilstaaten und den europäischen Institutionen zuständigen Behörde sowie die Interessenvertretungen der Wirtschaft, zum Beispiel die Industrie- und Handelskammer, in die Untersuchung miteinbezogen werden. Schließlich sind letztere aufrund der korporatistischen Strukturen in der Wirtschaftsverfassung der Bundesrepublik auch mit der Erfüllung hoheitlicher Aufgaben betraut. Angesichts der stark eingeschränkten verfassungsrechtlichen Möglichkeiten für eine eigene Außenpolitik nutzte die bayerische Staatsregierung darüber hinaus auch einzelne Wirtschaftsverbände als Agenten für die Kommunikation mit ausländischen Regierungen. Insbesondere dem Wirtschaftsbeirat der Union, eine Unternehmervereinigung, die der CSU zwar nahesteht, letztlich aber von ihr unabhängig ist, kam für die Kontakte zu Wirtschaftskreisen und Regierungsvertretern aus dem Ostblock besondere Bedeutung zu.