Historisches Seminar
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Freunde und Feinde: Niederdeutsche, Dänen und die Hanse im Spätmittelalter (1376-1513)

Dissertationsprojekt von Kilian J. Baur

Betreuerin: Prof. Dr. Claudia Märtl

 

Bedingt durch den Handel niederdeutscher Kaufleute im dänischen Reich und besonders in Schonen sowie die Lage Dänemarks zwischen Nord- und Ostseeraum, wo sich der hansische Handel abspielte, gab es zwischen städtischen Händlern und dänischem Bürgertum, Adel und Königtum zahlreiche Berührungspunkte, die auch zahlreiche Konflikte zur Folge hatten.


Die Geschichte der hansisch-dänischen Beziehungen wird trotz einiger Versuche der Relativierung in der Nachkriegszeit in Anlehnung an ältere Forschungstraditionen, besonders aus dem 19. und dem frühen 20. Jahrhundert, vorwiegend als Aneinanderreihung von eben jenen Auseinandersetzungen dargestellt. Dazu trug bei, dass die ältere Forschung den individuellen Beziehungen zwischen Dänen und Niederdeutschen nur wenig Beachtung schenkte. Diese werden in dem Dissertationsprojekt untersucht, um die gegensätzlichen Auffassungen der älteren Forschung, die einerseits von einer grundsätzlichen Gegnerschaft der Hanse und Dänemarks, andererseits von einer Schicksals- und Handelsgemeinschaft ausgehen, zu prüfen und gleichzeitig das Bild von den hansisch-dänischen Beziehungen zu vervollständigen. Diesen widmete sich die Forschung bisher v.a. aus politikgeschichtlicher Perspektive. Dabei fand und findet noch heute der Begriff der ‚hansischen Außenbeziehungen‘ oder ‚Außenpolitik‘ Verwendung, ohne theoretisch untermauert worden zu sein. Daher steht am Ende der Untersuchung ein Definitionsvorschlag für die ‚hansischen Außenbeziehungen‘ anhand des Beispiels der Beziehungen zu Dänemark.


Hierzu werden die niederdeutsch-dänischen Beziehungen aus akteurszentrierter Perspektive untersucht. Ausgehend von den Stadtbüchern der wendischen Städte werden die Beziehungen zwischen einzelnen Niederdeutschen und Dänen untersucht. Im Vordergrund stehen hierbei Formen, Bedingungen und Qualität des Umgangs von Einzelpersonen aus beiden Gruppen miteinander. Die behandelten Themengebiete umfassen v.a. die Bereiche, zu denen an Geschäften Beteiligte eine rechtliche Absicherung mittels Eintragung in die Stadtbücher suchten. Einen wesentlichen Raum nehmen dabei Handel, Finanzdienstleistungen und Nachlassangelegenheiten sowie rechtliche Auseinandersetzungen ein. Schließlich soll die Wechselwirkung zwischen der Ebene der individuellen Beziehungen, den städtischen und den hansisch-dänischen auf diplomatischer Ebene erörtert werden. Dies geschieht im Rahmen der Frage nach der Rolle für die hansische Diplomatie einzelner in den Beispielen behandelter Personen.