Historisches Seminar
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Biology goes molecular. Die Anfänge der Modellierung molekularer Mechanismen, 1918-1938.

Dissertationsprojekt von Caterina Schürch

Betreuerin: Prof. Dr. Kärin Nickelsen

 

Das Promotionsprojekt beschäftigt sich mit der hervorgehobenen Bedeutung, die der molekularen Ebene bei der Modellierung biologischer Vorgänge im Laufe der 1920er und 1930er Jahre zugeschrieben wurde.

"Lebensvorgänge auf die Physik und Chemie zu reduzieren" – das war seit 1918 das erklärte Ziel Amerikanischer Biologen um Jacques Loeb, Thomas Hunt Morgan und W.J.V. Osterhout. Um dieses Ziel zu erreichen, forderten sie erstens, dass in biologischen Laboratorien mit den präzisen Methoden der Physik und Chemie gearbeitet wird. Zweitens sollten chemische und physikalische Prinzipien zur Erklärungen biologischer Vorgänge beitragen.
1938 sprach Warren Weaver von einem neu aufkeimenden Zweig der Naturwissenschaften; der Molekularbiologie. Dieses Feld beschäftige sich mit den ultimativen Bausteinen der lebenden Zelle.
Den speziellen Fokus auf die molekulare Ebene rechtfertigte er mit der Annahme, dass sich biologische Systeme in letzte, fundamentale Einheiten unterteilen lassen, eben in Moleküle. Die Form und Anordnung der Moleküle, so die Idee, lasse Schlüsse über deren Funktion zu.

Diese Vorstellung legt eine bestimmte Art der Erforschung und Erklärung biologischer Vorgänge nahe. Die maßgeblichen Entitäten, die Moleküle, bewirken kraft ihrer Eigenschaften und Anordnung das biologische Phänomen. Erklärt wird das Phänomen durch die Beschreibung des ihm zugrunde liegenden Mechanismus. Eine vollständige Beschreibung liegt vor, sobald alle involvierten Entitäten und deren Aktivitäten herausgearbeitet und lückenlos verbunden sind. Dazu braucht es erstens präzise Techniken, die einzelne Moleküle und deren Eigenschaften erfassen. Notwendig sind weiter theoretische Vorstellungen davon, welche molekularen Eigenschaften welche Aktivitäten ermöglichen.

Diese theoretischen Annahmen zur Korrelation von Entitäten und deren Aktivitäten stehen im Zentrum des Dissertationsprojekts. Erstens werden besonders einflussreiche Ideen identifiziert: Welche Arbeiten weckten die Zuversicht, dass es überhaupt zu möglich ist, die Kaskade von Entitäten und Aktivitäten zu entschlüsseln? Zweitens wird herausgearbeitet, welche Akteure sich für die Formulierung und Anwendung solcher Ideen interessierten und ob interdisziplinäre Allianzen (zwischen Biologen, Chemikern und Physikern) entstehen, um solche Korrelationen zu etablieren. Der Schwerpunk liegt dabei auf Europäischen Forschern und Institutionen, deren Beitrag zur Vorgeschichte der Molekularbiologie bisher noch kaum erforscht wurde.