Historisches Seminar
print


Navigationspfad


Inhaltsbereich

Die Bewegung 2. Juni. Radikalisierung und Niedergang einer Gewaltgemeinschaft im Untergrund (1968 bis 1980)

Dissertationsprojekt von Max Gedig

Betreuerin: Prof. Dr. Margit Szöllösi-Janze

 

Ziel des Dissertationsprojekts ist die erstmalige historisch-wissenschaftliche Analyse der terroristischen Bewegung 2. Juni und ihrer Vorläuferorganisationen, der Tupamaros München und Berlin. Dieser Strang des deutschen Linksterrorismus wurde bisher von der Forschung weitestgehend vernachlässigt.
Konzeptionell sollen die Rückwirkungen von Gewalthandlungen auf Gemeinschaften ebenso wie gruppendynamische Prozesse, die zu Gewalt führen, untersucht werden. Der Gewalt selbst kommt somit grundlegender analytischer Stellenwert bei.
Eine zentrale Perspektive der Untersuchung liegt auf der Radikalisierungsphase der Milieus, aus denen die Bewegung 2. Juni schließlich hervorging. Die Forschung beschreibt bisher staatliche Repression als einen Kernfaktor, der ihre Gewaltbereitschaft eskalieren ließ. Das Projekt geht dagegen der Frage nach, ob dieser Erklärungsansatz nicht vielmehr zur Rechtfertigungsstrategie der Gewaltgruppen selbst gehörte. Ebenfalls im Fokus steht die Deradikalisierung der Bewegung 2. Juni. Es gilt zu untersuchen, welche Gründe die Gruppierung veranlassten, ihre Gewaltkampagne zu beenden.
Aufmerksamkeit kommt außerdem der sich entwickelnden Binnendynamik zu, nachdem es dem Verfassungsschutz gelungen war, den Informanten Ulrich Schmücker in der Bewegung 2. Juni zu platzieren. Er wurde daraufhin von bis heute Unbekannten ermordet. Neue Konzepte gehen davon aus, dass geheimdienstliche Infiltration die emotionale Struktur einer Gemeinschaft verändert und vor allem Vertrauen zerstört. Die Dissertation möchte diesen Prozess der internen Zersetzung nachzeichnen und die Frage stellen, welchen Einfluss die Infiltration auf die langfristige Entwicklung der Gruppierung hatte.
Schließlich sollen die Organisationsform der Bewegung 2. Juni und deren Auswirkungen auf den Gewaltgrad untersucht werden, der im Vergleich zu dem anderer europäischer Terrororganisationen geringer ausfiel.

 

Lebenslauf
2009 Alten- und Servicezentrum Altstadt und St. Jakobsplatz
2010 – 2013 Bachelor Geschichte und Antike und Orient an der LMU
2013 – 2015 Master Geschichte an der LMU und der UC Berkeley

Seit 2012 Studentische Hilfskraft, Wissenschaftliche Hilfskraft und freier Mitarbeiter beim Siemens Historical Institute. Mitarbeit bei diversen Buchprojekten
2013 Studentische Hilfskraft beim Drittmittelprojekt: „Thyssen im 20. Jahrhundert - eine Familiengeschichte“, Historisches Seminar, LMU
2015 Wissenschaftlicher Mitarbeiter bei der Taskforce „Kunstfund Schwabing“
Seit 2016 Sozialpädagogischer Thai-Box-Trainer im Treff 21. Jugendzentrum in der Blumenau

Preise und Stipendien
2013 AKKU-Nachwuchspreis des Arbeitskreises für kritische Unternehmensgeschichte für die Bachelorarbeit: „Familie als Erfolgsgarant. Siemens in der frühen Unternehmensentwicklung“
2017 Publikationspreis des Surveillance-Studies-Forschungsnetzwerks für den auf der Masterarbeit basierenden Aufsatz “Fighting an Invisible Man.” Infiltration and its Effects on the Black Panther Party
2014 PROSA-Auslandsförderung der LMU für den Studierendenaustausch der LMU mit der University of California, Berkeley
2014 – 2015 Stipendiat der Studienstiftung des deutschen Volkes