Historisches Seminar
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Justice for the Enemy? Britische Offiziere als Verteidiger deutscher Kriegsverbrecher 1945-49

Dissertationsprojekt von Margaretha Franziska Bauer

Betreuer: Prof. Dr. Andreas Wirsching

 

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde mutmaßlichen deutschen Kriegsverbrechern von den Alliierten der Prozessgemacht. Das Aufeinandertreffen von Angeklagten, Verteidigern, Anklägern und Richtern vor Gerichtschuf eine spezifische Form der transnationalen Begegnung. Im Zentrum des Projekts stehen britische Offiziere, die die Angeklagten als Verteidiger vor Militärgerichten vertraten und das Bild ihrer Mandanten in der Öffentlichkeit maßgeblich prägten.
Im Zentrum der Dissertation steht die vergessene Rolle der Verteidiger. Die Frage, wie diese ihre Aufgabe interpretierten, interessiert ebenso wie das Rollenverständnis der Offiziere in ihrem militärischen Umfeld.
Betrachteten sie die Vertretung eines mutmaßlichen Kriegsverbrechers als Fall wie jeden anderen oder forderte eine solche Vertretung vor Gericht mehr persönliche Überzeugung? Stützten die britischen Offiziere als Verteidiger den Anspruch der Besatzungsmacht, rechtsstaatliche Prinzipien in Deutschland zu etablieren? Wie stark gelang es ihnen, die öffentliche Meinung über ihre Mandanten zu beeinflussen? Die Verteidiger bedienten sich verschiedenster juristischer, medialer und politisch-gesellschaftlicher Strategien. Die Möglichkeiten einer effektiven Verteidigung wurde vor allem von zwei Faktoren bestimmt: Zum einen durch die Verfahrensregeln der Militärgerichtsbarkeit, zum anderen durch den Versuch der britischen Besatzungsmacht, anhand der Demonstration von Recht und Gerechtigkeit gegenüber dem ehemaligen Feind Vertrauen für den (Wieder-) Aufbau einer demokratisch-rechtsstaatlichen Kultur zu schaffen.
Deshalb waren die britischen Offiziere nicht nur Teil des militärischen Apparats, sondern hatten als Verteidiger und professionelle Juristen die Möglichkeit, für ein bestimmtes demokratisches Rechtsideal einzutreten.