Historisches Seminar
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Dynasten und Könige zwischen Vasallenherrschaft und Rebellion. Die Herrschaftspraxis der Seleukiden an den Rändern ihres Reiches

Dissertationsprojekt von Julian Wünsch

Betreuer: Prof. Dr. Kay Ehling

 

Aus den Konflikten, die nach dem Tode Alexanders des Großen unter dessen Heerführern entbrannt waren, ging das Seleukidenreich als größter der neu entstandenen Diadochenstaaten hervor – in der Zeit seiner weitesten Ausdehnung erstreckte es sich vom Hellespont über Kleinasien, Syrien, das Zweistromland, die Persis, Parthien und Baktrien bis an die Grenze Indiens. Während die Seleukiden im Kernland ihres Staates (d. h. in Syrien und Mesopotamien) lange Zeit eine direkte Herrschaft aufrecht erhalten konnten, etablierte sich an den Rändern des Reiches eine stetig wachsende Anzahl von semiautonomen lokalen Machthabern. Diese Entwicklung begann im Jahre 281 v. Chr. mit der Anerkennung des Philetairos von Pergamon und erreichte ihren Höhepunkt während der Regentschaft des Antiochos III. (222–187 v. Chr.), der unter anderem in der Sophene, in Parthien und in Baktrien örtliche Herrscher in ihren Ämtern bestätigte.

Mit dem Dissertationsvorhaben soll eine umfassende Studie zu den lokalen Machthabern im Seleukidenreich vorgelegt werden, in der die historischen und kulturellen Entwicklungen der einzelnen Regionalherrschaften in Kleinasien, der Levante und den östlichen Satrapien rekonstruiert werden. Dabei soll insbesondere die Frage geklärt werden, ob die Seleukidenkönige mit deren Anerkennung eine gezielte Herrschaftskonzeption verfolgten, oder ob sie die Präsenz der Dynasten vielmehr im Sinne einer unliebsamen Notlösung akzeptierten. Darüber hinaus werden auch Vorläufer der seleukidischen Entwicklungen im Achämenidenreich sowie deren Fortgang unter Römern und Arsakiden diskutiert.