Historisches Seminar
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Die Handhabung des Prisenrechts in den Seekriegen 1688-1714. Kriterien und Implikationen.

Dissertationsprojekt von Bernd Lehmannn

Betreuer: Prof. Dr. Mark Hengerer

 

Das 17. und 18. Jahrhundert waren politisch und militärisch gekennzeichnet durch umfangreiche maritime Auseinandersetzungen zwischen Frankreich und England im Rahmen der Kriege dies- und jenseits des Atlantiks sowie in der Region des Indischen Ozeans. Die Kampfhandlungen auf See betrafen Schlachten und Gefechte der gegnerischen Flotten zur Erlangung der Seeherrschaft; im vermehrten Umfang gewannen Maßnahmen zur Unterbindung bzw. Lahmlegung des jeweils gegnerischen Handels über See an ökonomischer, politischer und militärischer Bedeutung.
Grundlage für die Durchführung des maritimen Handelskrieges in der damaligen Zeit war die Anwendung des inzwischen gewohnheitsrechtlich anerkannten Prisenrechts. Die Exekutiven der Seemächte erließen Prisenordnungen als Kodifikation ihres jeweiligen nationalen Verständnisses über Art und Umfang des Prisenrechts. In Ergänzung zu den Kommandanten der nationalen Kriegsschiffe belehnten die Regierungen Kapitäne von zivilen Schiffen mit hoheitlichen Aufgaben und autorisierten diese - durch gesonderte Ausstellung von Kaperbriefen - gleichfalls feindliche Handelsschiffe kapern. Das Mandat zur Prisennahme galt insbesondere auch gegenüber neutralen Kauffahrteischiffen, sofern sie für den Feind bestimmte kriegswichtige Handelsgüter, als Konterbande bezeichnet, geladen hatten.


Der Fokus der Dissertation liegt gleichermaßen auf den Kriegsführenden sowie den nicht am Krieg Beteiligten, den neutralen Staaten, deren Kaufleute Seehandel betreiben. Das Vorhaben befasst sich – die Antagonisten vergleichend - mit der nationalen Handhabung des Prisenrechts, welches im Einzelnen die Institutionen des Seebeuterechts, des Konterbanderechts sowie des Blockaderechts umfasst. Der erste Teil der Arbeit beschäftigt sich mit dem Einfluss des Prisenrechts auf die jeweils eigene offensive als auch defensive Seekriegsführung zur Unterbindung des gegnerischen Seehandels. Der zweite Teil ist der Untersuchung der Ansprüche der neutralen Staaten bei der Durchführung ihres Seehandels in europäischen und überseeischen Gewässern vorbehalten. Im Mittelpunkt stehen dabei die von den Neutralen ergriffenen Initiativen zum Schutz ihrer eigenen Interessen gegenüber den beiden Seemächten Frankreich und England. Den Schlusspunkt bildet die Analyse der Handels- und Friedensverträge der damaligen Zeit mit ihren Vereinbarungen über das Prisenrecht mit dem Ziel, Konvergenzen, Divergenzen dieses für einen Seehandelskrieg bedeutsamen Rechts herauszuarbeiten.