Historisches Seminar
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Hydroelektrische Projektionen. Imaginationen der Wasserkraft im Industriefilm

Dissertationsprojekt von Fabian Zimmer

Betreuer: Prof. Dr. Helmuth Trischler

Zweitbetreuer: Prof. Dr. Roland Wenzlhuemer

 

Die Wasserkraft ist umstritten. Der mit ihr einhergehende Landschaftswandel hat – in der Vergangenheit wie auch heute – zu öffentlichen Konflikten zwischen Unternehmen und Politikern auf der einen und betroffenen Anrainern, Natur-, Heimat- und Umweltschützern auf der anderen Seite gesorgt. Mein Dissertationsprojekt bietet eine kulturhistorische Perspektive auf diese Auseinandersetzungen und nähert sich ihnen anhand eines bisher kaum untersuchten Quellenkorpus: Dem Industriefilm. Ich untersuche solche Filme aus den zwei zentralen Wasserkraftregionen Europas – Skandinavien und dem Alpenraum, wo ich Filme schwedischer, deutscher und französischer Unternehmen betrachte.
Um die Rolle zu ergründen, die die Industriefilme und auch die sehr viel selteneren Protestfilme in der Öffentlichkeit und den Konflikten um die Wasserkraftnutzung spielten, analysiere ich sie als Gebrauchsfilme. Ich kombiniere hierfür das close reading der Filme mit einer breiten Analyse ihrer historischen und diskursiven Kontexte und analysiere sie als Teil einer umstrittenen visuellen Kultur der Wasserkraft, in der sich einerseits Unternehmen mit Naturschützern um den ästhetischen und moralischen Wert von Landschaften stritten (schließlich war ein Hauptziel von Naturschützern die Bewahrung landschaftlicher Schönheit), in der andererseits der Wahrheitsgehalt der Bilder selbst umkämpft war und sich beide Seiten gegenseitig der Propaganda bezichtigten.
Im Fokus der Arbeit stehen die 1950er-Jahre. Dieses Jahrzehnt gilt nicht nur als das „Goldene Zeitalter“ des Dokumentarfilms; zur gleichen Zeit boomte auch in ganz Europa der Bau von Wasserkraftwerken und Staudämmen und es entstand erstmals auch ein durchsetzungsfähiger Protest gegen eben diese Bauvorhaben. Die von mir untersuchten Filme sind gewissermaßen das Resultat dieser drei Entwicklungen. Als Teil unternehmerischer bzw. naturschützerischer Kommunikationsstrategien dokumentierten sie aber nicht nur menschengemachten Landschaftswandel, sondern sie inszenierten ihn auch und stellen somit hervorragende Quellen zur Analyse kultureller Imaginationen dar. Sie erlauben einen Einblick in die zeitgenössische Wahrnehmung eines Jahrzehnts, das von rasant wachsendem Energieverbrauch und tiefgreifenden Veränderungen im Mensch-Natur-Verhältnis geprägt war – der sogenannten Großen Beschleunigung (Will Steffen).