Historisches Seminar
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Regionale Identitätsstiftung im Königreich Bayern. Der "Historische Verein für Schwaben und Neuburg" im Spannungsfeld zwischen Regionalismus, Partikularismus und Nationalismus

Dissertationsprojekt von Gregor Jakob

Betreuer: PD Dr. Christof Paulus

 

Die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit Räumen relativ kleiner Größenordnung wirft zwangsläufig die Frage nach der Relevanz solcher Untersuchungen auf: Warum sollte man sich überhaupt einer vermeintlich unbedeutenden Region wie Bayerisch-Schwaben zuwenden? Müsste der Fokus vor dem Hintergrund einer zunehmend globalisierten Welt nicht vielmehr auf europäischer oder globalgeschichtlicher Ebene liegen? Dieses Dissertationsprojekt gibt eine andere Antwort, indem die Region als integraler Bestandteil moderner Kultur- und Identitätsräume begriffen wird. Vor diesem Hintergrund erscheint es umso erstaunlicher, dass Bayerisch-Schwaben innerhalb der landesgeschichtlichen Forschung – und dies gilt in besonderem Maße für das 19. Jahrhundert – bisher deutlich vernachlässigt wurde. Schließlich bildet Schwaben neben Franken und Altbayern einen von drei historischen Landesteilen des heutigen Freistaates und ist somit ein wesentlicher Faktor im kulturellen Landesbewusstsein Bayerns. Kulturhistorisch ist der Blick Richtung Bayerisch-Schwaben daher unabdingbar, wobei sich gerade das von der Forschung seit Jahrzehnten vernachlässigte 19. Jahrhundert als Dreh- und Angelpunkt erweist. Denn hier wurde nicht nur die gemeinsame Geschichte „Schwabens“ und (Alt-)Bayerns durch die „Annexion“ zahlreicher ostschwäbischer Territorien eingeläutet, sondern auch das Fundament eines bayerisch-schwäbischen Regionalbewusstseins gelegt. Dieser identitätsstiftende Prozess, bei dem regionale, partikularstaatliche und nationale Identitätsangebote miteinander verschmolzen, soll durch dieses Projekt umfassend aufgearbeitet werden.

Den Zugang hierzu eröffnet insbesondere der im Jahr 1834 gegründete „Historische Verein für Schwaben und Neuburg“, der als zentraler Untersuchungsgegenstand fungiert. Als einer der ältesten und größten Geschichtsvereine Bayerns war dieser wesentlich an der Verbreitung historischer Identitätskonzepte beteiligt. Zudem spiegelt er als ehemaliger Kreisverein zahlreiche Strategien, mit denen die bayerische Obrigkeit versuchte, staatsintegrativ auf das historische Bewusstsein der Bevölkerung einzuwirken. Nicht zuletzt hervorzuheben sind aber auch die vom „Historischen Verein für Schwaben und Neuburg“ erzeugten Quellencorpora – insbesondere das zu großen Teilen noch unerschlossene Vereinsarchiv sowie die Vereinszeitschrift –, deren systematische Auswertung ein weitgehendes Forschungsdesiderat darstellt.